Recording, Co-Creation oder Strategiebild? Welches visuelle Format wann passt
- Gianni Fabiano
- 24. Juni
- 3 Min. Lesezeit

Lesezeit: ca. 4 Minuten
„Wir hätten gern so etwas Visuelles für unseren Anlass." Mit diesem Satz beginnen die meisten Anfragen, die ich bekomme. Und er ist völlig in Ordnung – aber er ist ungefähr so präzise wie „Wir hätten gern etwas zu essen".
Denn „etwas Visuelles" ist kein einzelnes Format. Es gibt mehrere, und sie leisten Unterschiedliches. Das Live-Recording an der Kongresswand, das gemeinsame Erarbeiten im Workshop und das durchdachte Strategiebild für die Geschäftsleitung sind drei verschiedene Werkzeuge – und das eine an der Stelle des anderen einzusetzen, führt fast immer zu Enttäuschung.
Damit du weisst, wonach du eigentlich fragst, hier die wichtigsten Formate und wann sie passen.
Graphic Recording: wenn etwas live entsteht
Das ist das Format, das die meisten vor Augen haben: Ich stehe an einer grossen Wand und halte fest, was gerade gesagt wird – während es gesagt wird. Vorträge, Podiumsdiskussionen, Konferenzen, Tagungen.
Der Wert liegt im Live-Moment und im Ergebnis danach. Das Publikum sieht das Bild wachsen, das hält die Aufmerksamkeit, und am Ende gibt es ein Gesamtbild, das den ganzen Anlass verdichtet. Du buchst Graphic Recording, wenn du einen Inhalt hast, der von jemandem präsentiert wird, und du willst, dass er hängenbleibt – im Kopf des Publikums und als Asset für danach.
Was es nicht ist: ein Werkzeug, um eine Gruppe zu etwas Neuem zu führen. Beim Recording bin ich der Übersetzer, nicht der Gestalter des Inhalts.
Co-Creation & Facilitation: wenn die Gruppe selbst arbeiten soll
Manchmal geht es nicht darum, etwas festzuhalten, sondern darum, gemeinsam etwas zu entwickeln. Eine Vision, eine Roadmap, ein gemeinsames Verständnis.
Hier wird das Visuelle zum Arbeitsmittel mitten im Prozess. Ich begleite die Gruppe, strukturiere ihr Denken visuell, mache Zusammenhänge und Widersprüche sichtbar, während sie noch entstehen. Das Bild ist nicht das Ergebnis am Schluss – es ist das Werkzeug, mit dem die Gruppe überhaupt zu einem Ergebnis kommt.
Du buchst dieses Format, wenn das Ziel noch offen ist und gemeinsam erarbeitet werden soll. Hier kommt mein zweiter Hintergrund stark zum Tragen: Es geht nicht nur ums Zeichnen, sondern um Prozessbegleitung – Innovation und Veränderung sichtbar moderieren.
Strategiebild & Business-Illustration: wenn es bleiben und wirken soll
Das dritte Format entsteht nicht live, sondern durchdacht. Eine Strategie, ein Geschäftsmodell, ein Leitbild – verdichtet in ein einziges, sorgfältig gestaltetes Bild.
Hier zählt nicht der Moment, sondern die Wirkung über Monate. Das Strategiebild hängt im Sitzungszimmer, taucht in Präsentationen auf, wird zum Bezugspunkt für Entscheidungen. Es ersetzt die vierzig Folien, die niemand mehr anschaut, durch ein Bild, das alle im Kopf behalten.
Du buchst das, wenn du eine bereits geklärte, komplexe Botschaft hast, die du dauerhaft kommunizieren willst – nach innen ins Team oder nach aussen an Kunden.
Identity Wall: wenn die Identität einen Ort bekommen soll
Das vierte Format geht über das einzelne Bild hinaus. Eine Identity Wall ist eine grossformatige, dauerhafte Wand, die zeigt, wer ihr als Organisation seid: eure Geschichte, eure Werte, eure Kultur, das, was euch ausmacht. Nicht für einen Anlass, sondern für den Raum, in dem ihr jeden Tag arbeitet.
Hier verschmelzen Visualisierung und Ort. Während ein Strategiebild eine Botschaft transportiert, schafft eine Identity Wall ein Zugehörigkeitsgefühl. Sie macht Identität sichtbar und begehbar – im Empfang, im Teamraum, dort, wo Mitarbeitende und Gäste täglich vorbeikommen. Oft entsteht sie nicht im stillen Kämmerlein, sondern gemeinsam mit dem Team, sodass am Ende nicht nur eine Wand dasteht, sondern etwas, das alle als ihres erkennen.
Du buchst eine Identity Wall, wenn du willst, dass das, wofür ihr steht, nicht in einem Dokument schlummert, sondern sichtbar Teil eures Arbeitsalltags wird – als Ort der Orientierung und der Zugehörigkeit.
Die eine Frage, die alles klärt
Wenn du unsicher bist, welches Format du brauchst, hilft eine einzige Frage:
Was soll am Ende passieren?
Soll ein Anlass hängenbleiben? → Graphic Recording.
Soll eine Gruppe gemeinsam zu etwas kommen? → Co-Creation & Facilitation.
Soll eine fertige Botschaft dauerhaft wirken? → Strategiebild.
Soll eure Identität einen sichtbaren Ort bekommen? → Identity Wall.
In der Praxis lassen sich die Formate übrigens gut kombinieren. Aus einem Live-Recording kann später ein verdichtetes Strategiebild werden. Aus einem Co-Creation-Workshop ein bleibendes Bild für die ganze Organisation. Wichtig ist nur, dass am Anfang klar ist, was du eigentlich erreichen willst – dann ergibt sich das Format fast von selbst.
Und falls du es nicht genau weisst: Genau dafür ist das erste Gespräch da. Oft ist die spannendste Erkenntnis daraus nicht, welches Format es wird – sondern was du mit deinem Anlass eigentlich bewirken möchtest.
Gianni Fabiano arbeitet als Graphic Recorder und Transformations-Begleiter – von Live-Recording über Co-Creation und Strategiebild bis zur Identity Wall. → Lass uns reden



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