Visual Facilitation, Graphic Recording, Visual Recording, Live Recording — was ist was?
- Gianni Fabiano
- 23. März
- 3 Min. Lesezeit
Wer zum ersten Mal mit visueller Arbeit in Berührung kommt, stösst schnell auf eine Begriffswelt, die verwirren kann. Graphic Recording, Visual Recording, Live Recording, Visual Facilitation — meinen diese Begriffe dasselbe? Oder gibt es wichtige Unterschiede? Als Graphic Recorder und Visual Facilitator bei brandSTIFT begegne ich diesen Fragen täglich. Hier ist meine Erklärung.
Graphic Recording, Visual Recording, Live Recording — drei Namen, ein Prinzip
Beginnen wir mit der guten Nachricht: Graphic Recording, Visual Recording und Live Recording beschreiben im Wesentlichen dasselbe.
Alle drei Begriffe stehen für die Live-Visualisierung von Inhalten in Echtzeit — während Präsentationen, Workshops, Konferenzen oder Meetings. Ein Recorder hört zu, filtert die Kernbotschaften heraus und übersetzt das Gehörte in Bilder, Symbole und prägnante Texte — direkt vor den Augen der Teilnehmenden.
Warum gibt es dann drei verschiedene Namen?
Der Begriff Graphic Recording ist der älteste und international am weitesten verbreitet. Er betont die grafische, zeichnerische Komponente der Arbeit.
Visual Recording ist eine neuere, etwas breitere Bezeichnung — sie betont das visuelle Festhalten von Inhalten, unabhängig davon ob analog mit Stift auf Papier oder digital auf dem iPad.
Live Recording wiederum unterstreicht den Echtzeit-Charakter — das Live-Erleben des Entstehungsprozesses ist hier der Fokus. Teilnehmende sehen, wie ihre Gedanken und Aussagen unmittelbar Gestalt annehmen.
In der Praxis — und in meiner Arbeit bei brandSTIFT — sind alle drei Begriffe austauschbar. Was zählt, ist das Prinzip dahinter: Denken sichtbar machen, in dem Moment, in dem es passiert.

Was ist dann Visual Facilitation?
Hier liegt der echte Unterschied.
Graphic Recording, Visual Recording und Live Recording sind dokumentierend. Als Recorder begleite ich Inhalte, die andere gestalten. Ich bin aufmerksamer Zeuge und Übersetzer — meine Rolle ist zuhören, strukturieren und visualisieren. Das Gespräch findet ohne mein aktives Zutun statt.
Visual Facilitation ist gestaltend. Als Visual Facilitator begleite ich aktiv den Denkprozess eines Teams. Ich leite Gespräche, stelle Fragen, bringe Struktur in Diskussionen — und visualisiere dabei gleichzeitig. Die Bilder entstehen nicht als Protokoll im Nachhinein, sondern als lebendiges Werkzeug im gemeinsamen Denken und Entscheiden.
Ein einfaches Bild dazu:
Beim Graphic Recording schaue ich zu und halte fest, was passiert. Bei der Visual Facilitation gestalte ich mit, was passiert.
In der Realität gibt es natürlich fliessende Übergänge. Oft ist ein guter Graphic Recorder auch ein erfahrener Facilitator — und umgekehrt.
Und was ist Sketchnoting?
Auch dieser Begriff taucht regelmässig auf. Sketchnoting ist die persönliche, handgeschriebene Notizform mit visuellen Elementen — ursprünglich für den Eigengebrauch entwickelt. Sketchnotes sind persönliche Lernwerkzeuge, keine professionellen Dokumentations- oder Facilitation-Instrumente.
Der Unterschied zu Graphic Recording liegt in der Funktion:
Sketchnotes sind für die Person, die sie erstellt
Graphic Recording ist für das gesamte Publikum, den Raum, das Team
Sketchnoting kann ein toller Einstieg in die visuelle Arbeit sein — aber es ersetzt keine professionelle Visual Facilitation oder ein professionelles Graphic Recording.
Welches Format passt wann?
Die Wahl des richtigen Formats hängt von der Situation ab. Hier eine Übersicht:
Graphic Recording / Visual Recording / Live Recording passt, wenn:
Eine Veranstaltung, Konferenz oder Präsentation dokumentiert werden soll
Inhalte für Abwesende nachvollziehbar gemacht werden sollen
Der WOW-Effekt im Raum gewünscht ist
Ein visuelles Ergebnis als Kommunikationsmittel weiterverwendet wird
Visual Facilitation passt, wenn:
Ein Team gemeinsam denken, entwickeln oder entscheiden soll
Komplexe Themen strukturiert und greifbar gemacht werden müssen
Führungsteams Orientierung suchen
Veränderungsprozesse begleitet werden
Kombination passt, wenn:
Eine mehrtägige Veranstaltung sowohl dokumentiert als auch gestaltet werden soll
Teams in Workshops entwickeln und gleichzeitig ein visuelles Ergebnis entstehen soll
In meiner Arbeit bei brandSTIFT kombiniere ich beide Ansätze — je nach Anliegen und Kontext meiner Kunden.
Analog oder digital — macht das einen Unterschied?
Sowohl Graphic Recording als auch Visual Facilitation kann ich analog oder digital durchführen.
Analog bedeutet: grosse Papierbögen, Filzstifte, physische Präsenz an der Wand. Das Ergebnis ist ein physisches Bild, das im Raum hängt — greifbar, grossformatig, eindrücklich.
Digital bedeutet: iPad, Apple Pencil, Live-Projektion auf Beamer oder Screen. Das Ergebnis ist sofort digital verfügbar, kann direkt geteilt, gedruckt oder weiterverwendet werden.
Beide Varianten haben ihre Stärken — welche besser passt, hängt vom Rahmen der Veranstaltung und dem gewünschten Ergebnis ab.
Wie heisst du, wenn du das machst?
Auch die Berufsbezeichnungen sind vielfältig. Man spricht von:
Graphic Recorder oder Graphic Recorderin
Visual Recorder
Live Recorder
Visual Facilitator oder Visual Facilitatorin
Graphic Facilitator
Ich bin all das — je nach Auftrag und Kontext. Was mich antreibt, ist nicht der Titel, sondern das Ziel: Denken sichtbar machen, Zusammenhänge klären, Menschen in ihrer gemeinsamen Arbeit stärken.
Fazit: Begriffe sind zweitrangig — die Wirkung zählt
Ob du es Graphic Recording, Visual Recording oder Live Recording nennst — am Ende geht es um dasselbe: Inhalte in Echtzeit sichtbar machen, damit sie besser verstanden werden, länger im Gedächtnis bleiben und als gemeinsame Grundlage weiterarbeiten können.
Wenn du neugierig bist, welches Format für dein nächstes Event, deinen Workshop oder dein Strategiemeeting passt — ich freue mich auf ein Gespräch.
brandSTIFT — Graphic Recording, Visual Recording, Live Recording und Visual Facilitation in der ganzen Schweiz. Gianni Fabiano, Egolzwil, Kanton Luzern.



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